Abseits von den Massen – Wandern im „El Cañi“

Ich bin eine Naturliebhaberin – ich liebe es, Vögel zu beobachten, schöne Pflanzen zu entdecken und allgemein die Energie in den Wäldern, Wiesen und allen naturbelassenen Orten zu spüren. Nun bin ich in Pucón in Chiles Vulkan- und Seenregion und versuche natürlich so viel von der wunderschönen Natur um mich herum mitzunehmen wie nur möglich. Da gibt es nur ein Problem – Pucón ist ein Touristenort und hier wimmelt es zurzeit von Menschen mit dem gleichem Wunsch. Und wie immer wenn man auf so viele Menschen trifft, wird der eigentliche Zauber der Natur etwas genommen, da die Ruhe dort dann fehlt. Deswegen wurde mir empfohlen im „El Cañi“ wandern zu gehen.

Nicht nur, weil man dort zwei schöne Seen hoch oben zwischen den uralten und hier typischen Araukarien finden kann. Und auch nicht nur wegen des Felsen, den man beklettern und von dem aus man die gesamte Umgebung im 360°-Panorama mit ihren Vulkanen, Bergen und Seen überschauen kann. Nein, eigentlich bin ich hierhergekommen, weil sich zu diesem Ort weit weniger Touristen verirren als in die anderen Nationalparks in der Umgebung und es daher der ideale Ort zu sein scheint, dem Trubel der Stadt zu entkommen.

Mit dem öffentlichen Bus bin ich ca. 40 Minuten bis zum Eingang des Nationalparks gefahren, wo ich mich zunächst anmelden musste, bevor ich meinen Aufstieg beginnen konnte. Dort habe ich auch eine Karte erhalten, auf der mehr oder weniger gut eingezeichnet war, welchen Weg man einschlagen sollte. Der erste Teil der Route führt noch an mehreren kleinen Wohnhäusern vorbei, bis man nach etwa 15 Minuten einen Bauernhof erreicht. Dort kann man Brombeeren, Pflaumen und noch einige andere typisch chilenische Früchte pflücken, um sich noch ein letztes Mal für den Aufstieg zu wappnen. Denn kurz dahinter befindet sich der Eingang zum Nationalpark. Gleich zu Beginn führt der Weg ca. 2-3 Stunden sehr steil bergauf. Und er ist nicht nur steil sondern auch dazu noch schwierig zu bewandern, da teilweise der Sand sehr rutschig oder der Weg von großen losen Steinen geprägt ist. Es empfiehlt sich morgens schon früh auf den Beinen zu sein, da die Strecke sowohl durch den Wald, als auch über weite Teile durchs offene Gelände führt. Die starke Sonne erschwerte den Aufstieg nochmal ungemein.

Doch nach 2 -3 Stunden war es dann geschafft und besonders im oberen Teil des offenen Geländes hat man einen fantastischen Blick auf den Vulkan und den See Villarrica sowie auf weitere Gebirgslandschaften und Seen, die die Vulkan- und Seenregion rund um Pucón prägen.

Die erste Station, die auf der Karte eingezeichnet ist, ist das Refugium. Das ist eine Hütte, in der es möglich ist gemeinsam zu grillen und zusammenzusitzen. Eine tolle Möglichkeit für Personen, die am Fuß des Nationalparks zelten. Auch ich hatte dort mein Mittagessen. Zwar kein gegrilltes Steak, aber ein leckeres Sandwich – das war auch wirklich nötig! Nach einer langen Pause, in der ich die Energien vom langen, steilen Aufstieg wieder aufgefüllt habe, raffte ich mich auf, um den Weg fortzuführen und die Lagunen zu erreichen.

Vom Refugium sollten es noch 40 Minuten bis zur ersten Lagune „Lago Secco“ sein. Hier begann der schöne Teil der Wanderung. Bis zur Spitze mussten zwar noch etliche Höhenmeter überwunden werden, aber hier befanden wir uns schon im subtropischen Regenwald. Die Wege waren besser und die Flora und Fauna nahm zu: ich konnte eine Vielfalt an verschiedenfarbigen Salamandern entdecken, die sich sonnten oder einfach durchs Dickicht schlüpften, es gab viele Singvögel zu hören und wunderschöne Blumen zu bestaunen. Der Sandboden war sehr angenehm zum Wandern und mit fortschreitender Zeit nahmen meine Energie und die Lust darauf, die Gegend zu erkunden, auch wieder zu. Nach etwa 20 Minuten hatte ich den Aufstieg dann hinter mir und konnte ganz entspannt durch den Wald spazieren – bis dahin bin ich, abgesehen von meinen zwei Reisebegleiterinnen, erst auf zwei weitere Menschen gestoßen.

Angekommen am „Lago Secco“, der seinem Namen alle Ehre macht, musste ich einsehen, dass ich hier wohl nicht schwimmen gehen könnte. An der Stelle, an der noch etwas Wasser zu finden war, glich er eher einem Schlammloch. Trotzdem war es dort wunderschön, da man das Gefühl bekam, sich in der Savanne zu befinden. Ich bekam auch noch drei Seevögel zu Gesicht, an die man bis auf 3 Meter heran kam – ein atemberaubendes Erlebnis. Nachdem ich die Gegend dort erkundet hatte, machte ich mich auf den Weg zum „Lago Negro“. Ich brauchte etwa nur eine halbe Stunde um dorthin zu gelangen, es gab keine Anstiege mehr und ich konnte den gesamten Weg die wunderschöne Natur genießen. Dieser Teil der Strecke hat mich begeistert und entschädigt für den langen anstrengenden Aufstieg. Der „Lago Negro“ war gar nicht schwarz, wie sein Name es vermuten ließ. Er war ebenfalls wunderschön blau – das Wasser glitzerte und drum herum standen die wunderschönen Araukarien mit den Felsen im Hintergrund. Einfach nur grandios! Es gibt dort auch einen kleinen Strand und wer mag, der kann einmal um den gesamten See laufen.

Auch an dieser Stelle musste ich mir, obwohl es so atemberauben schön dort ist, den See nur mit ungefähr 10 Menschen teilen. Was aber nicht im Geringsten störte, weil diese mit genau derselben Intention da waren wie ich; sie wollten einfach in Ruhe die Natur genießen.

Bis ganz hoch zum Aussichtspunkt habe ich es leider nicht mehr geschafft, dafür hatte ich mir vorher zu viel Zeit gelassen. Für heute war an diesem See also meine Endstation. Ich werde aber definitiv noch einmal den „El Cañi“ Nationalpark besuchen, um bis nach ganz oben zu wandern!

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